Armenische Völkermordfrage vor Klärung

Erdogan will Historikerurteil zu Armeniern befolgen

Kurz vor dem 100. Jahrestag der Massaker an den Armeniern in der heutigen Türkei hat Präsident Recep Tayyip Erdogan klargestellt, dass sich sein Land einem Urteil von Historikern in der Völkermordfrage unterwerfen würde. Experten sollten sich zusammensetzen und einen Bericht verfassen, sagte Erdogan gestern Abend im Staatsfernsehen TRT.


Sollte dieser Bericht ergeben, dass die Türkei Schuld auf sich geladen und „einen Preis zu zahlen“ habe, dann werde er entsprechend handeln. Erdogan hatte bereits vor mehreren Jahren vorgeschlagen, eine unabhängige Historikerkommission einzusetzen, um die Frage klären zu lassen, ob es sich bei den Massenvertreibungen der Armenier in Anatolien im Jahr 1915 um einen Völkermord handelte.


Vorwurf des Genozids
Armenien und viele internationale Forscher sprechen von einem Genozid, was die Türkei aber zurückweist. In dem Interview beklagte Erdogan, Armenien sei nicht bereit, sich dieser Diskussion zu stellen.


Im April jährt sich der Beginn der Armenier-Massaker von 1915 zum hundertsten Mal. Die Türkei sieht sich seit Jahren der Forderung gegenüber, die Gewalt als Völkermord anzuerkennen. Erdogan hatte im vergangenen Jahr als Ministerpräsident zum ersten Mal offiziell des Leids der armenischen Opfer gedacht.

Quelle: http://orf.at/stories/2263286/