In Memoriam Univ. Prof. Dr. Hans R. Klecatsky

Rechtsanwalt Dr. Eva Maria Barki
A- 1010 Wien, Landhausgasse 4 / Minoritenplatz 6
Telefon (++43-1) 535 39 80, 535 06 78, Telefax (++43-1) 533 88 48, E-Mail barki@lawvie.at

IN MEMORIAM
Justizminister a.d. Univ. Prof. Dr. Hans R. Klecatsky
6.11.1920 – 23.4.2015


Der Tod des führenden Staatsrechtsprofessors Österreichs, Univ. Prof. Dr. Hans R. Klecatsky hat eine Lücke hinterlassen, die unausgefüllt bleiben wird. Prof. Klecatsky war ein leidenschaftlicher Kämpfer für Freiheit und Selbstbestimmung, Recht und Gerechtigkeit und hat den österreichischen Rechtsstaat und die österreichische Rechtsordnung maßgebend mitgeprägt.


Hans Klecatsky war – gemeinsam mit Prof. Felix Ermacora – der geistige Motor des Südtiroler Freiheitskampfes. Auch nach der Streitbeilegungserklärung 1992 betonte er immer wieder das völkerrechtlich begründete und unverzichtbare Recht der Südtiroler als eigenständiges Volk im ethnischen Sinn auf Selbstbestimmung und verlangte die Verankerung der Schutzmachtfunktion Österreichs im Dienste des Selbstbestimmungsrechtes in der österreichischen Verfassung.


Sein Interesse galt aber auch anderen um Selbstbestimmung kämpfenden Völkern, insbesondere den Schotten und Katalanen. Besonders am Herzen lagen ihm die vom Selbstbestimmungsrecht politisch ausgeschlossenen und dasselbe Schicksal wie die Südtiroler teilenden Ungarn. Er konnte daher – ebenso wie Felix Ermacora - nie verstehen und hat es sehr bedauert, dass Ungarn weder auf dem Gebiet der Wissenschaft noch auch in Politik und Praxis auch nur ansatzweise die legitimen Rechte des ungarischen Volkes auf Selbstbestimmung vertreten oder unterstützt hat.
Seine Sorge galt Europa und der Europäischen Union, deren Einschränkung und Abbau der Volks- und Staatssouveränität, Aushöhlung der demokratischen Institutionen und Entwicklung zu einem diktatorischen Machtgefüge er ebenso anprangerte wie die verfehlte Politik der Regierungen und deren „Diener und Mitläufer“. Er forderte die Überwindung des faktischen Machtapparates des weder demokratisch noch rechtsstaatlich organisierten Staatenverbundes der Europäischen Union und unterstützte alle Austrittsbestrebungen.
Ausgehend vom Dogma der „Trinität“ (Dreieinigkeit) - individuelle, innerdemokratische und äußere Selbstbestimmung – verlangte er die Wiederherstellung der verletzten Selbstbestimmung nach innen und außen, deren Träger die Völker Europas sind.


In Trauer verneige ich mich vor Hans Klecatsky und denke in großer Dankbarkeit an die jahrelange Zusammenarbeit in gegenseitiger Wertschätzung. Das mir in seinem letzten Telefonat übertragene Vermächtnis, die Fackel der Selbstbestimmung weiterzutragen und nicht auslöschen zu lassen, ist für mich Aufgabe und Verpflichtung. Hans Klecatsky verabschiedete sich mit den Worten: „Es lebe Ungarn“. Meine Verpflichtung gilt daher insbesondere auch dem ungarischen Volk.


Wien, 28.4.2015 Eva Maria Barki