Die Menschen waren auf der Suche nach einer neuen Heimat (I)

Utl.: Aus der Dokumentation „Vom „Rechtslosen zum Gleichberechtigten“ von  NR-Abg.Erwin Machunze (t)

Als der Zweite Weltkrieg zu Ende ging, war in Europa ein Millionenheer von Menschen auf der Suche nach der alten bzw. nach einer neuen Heimat. Die genauen Zahlen lassen sich heute nicht mehr feststellen, aber wenn man an die ungezählten Soldaten und Kriegsgefangenen denkt, die sich fernab ihrer Heimat befanden, wird man die ganze Größe und Schwere dieses Problems erkennen. Die Situation in Österreich steht im Mittelpunkt. Daher gilt es, zunächst ein paar Begriffe zu erklären und Zahlen aufzuzeigen:

UMSIEDLER: Die zweiseitigen Verträge, die das Dritte Reich z. B. mit Rumänien und Italien abschloß, brachten im Jahre 1943 rund 809.300 Volksdeutsche in Bewegung. Sie sollten zum Großteil in Polen und in Böhmen-Mähren angesiedelt werden. Mit dem Näherrücken der Front im Osten wurden sie zu Flüchtlingen.

FLÜCHTLINGE: Aus den Kriegsgebieten im Osten und Südosten flüchteten die deutschen Bewohner nach dem Westen. In den meisten Fällen, wie spätere Zahlen beweisen, endete die Flucht in Oberösterreich.

VERTRIEBENE: Das sind jene, die das Kriegsende in ihrer angestammten Heimat erlebt hatten, mit Gewalt ihres Eigentums beraubt und über die Grenze getrieben wurden. Es ist verständlich, daß die Bewohner der Österreich benachbarten Gebiete (Südmähren, Böhmerwald, Untersteiermark) in Österreich Zuflucht suchten. Im August 1945 wurde die Vertreibung in Potsdam von den Siegermächten sanktioniert und Deutschland zur Aufnahme der Vertriebenen verpflichtet.

Das Potsdamer-Protokoll, am 2. August 1945 von Generalissimus Stalin (UdSSR), Präsident Truman (USA) und Premierminister Attlee (Großbritannien) unterzeichnet, bestimmt in Artikel XIII:

„Die drei Regierungen erkennen nach allseitiger Überprüfung der Frage an, daß eine Umsiedlung der in Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn verbliebenen deutschen Bevölkerung oder eines Teiles dieser Bevölkerung erfolgen muß. Sie stimmen darin überein, daß jede Umsiedlung, die stattfinden wird, auf organisierte und humane Weise vorgenommen werden soll." Der Kontrollrat wird angewiesen, „der gerechten Verteilung dieser Deutschen auf alle Besatzungszonen besondere Aufmerksamkeit zu schenken". Er setzte demgemäß am 20. November 1945 den Verteilungsschlüssel fest. Insgesamt wird darin mit 6,650.000 Umsiedlern gerechnet. In Wirklichkeit aber gab es im Jahre 1947 in den vier Zonen des besiegten Deutschlands 9,476.900 Heimatvertriebene.

Von den nach Österreich gekommenen Vertriebenen wollten viele vor allem nach Bayern weiterwandern. Aber im März 1947 untersagten die Alliierten, die damals die Macht in Deutschland ausübten, jede weitere Zuwanderung aus Osterreich. Damit mußte den verantwortlichen Stellen der Republik Österreich klarwerden, daß der größte Teil der Vertriebenen, die hier Zuflucht gesucht haben, für nicht absehbare Zeit im Lande bleiben wird.

VERSETZTE PERSONEN (DPs = Displaced Persons): Unter diesem Begriff verstanden die westlichen Alliierten das Millionenheer der bei Kriegsende in Deutschland und Österreich lebenden Fremdarbeiter, KZ-Insassen und Kriegsgefangenen. Die Sowjets machten in ihrer Besatzungszone in Österreich diesen Unterschied allerdings nicht.

 

 

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