Dokumentensammlung zur Sudetenfrage

1940, 10.März: Aus einer Deklaration der sudetendeutschen Sozialdemokraten im Exil über die künftige Stellung des Sudetengebiets im Rahmen einer demokratisch-föderalistischen Neuordnung Europas.

… Als ein Teil des sudetendeutschen Volkes haben wir vor allem die Interessen unseres Volkes vertreten. In dieser Position wollen wir eine Wiederholung der Fehler vermeiden, welche zum Triumphe der Henlein-bewegung und zur Katastrophe von München geführt haben. Es war ein Grundfehler der Staatskonstruktion vor München, dass sie zwei Millionen Slowaken alle Vorrechte eines Staatsvolkes einräumte, außerdem einer halben Million Karparthorussen Provinzialautonomie zusicherte, während drei Millionen Sudeten-deutsche als „Minderheit“ behandelt wurden.

Die alte Tschechoslowakei war de facto ein Nationalitätenstaat. Gegen den Willen fast eines Drittels der Bevölkerung wurde die Republik als ein tschechoslowakischer „Nationalstaat“ deklariert. Die einseitig bestimmte Form eines zentralistischen Nationalstaates hat die aufopfernden Bemühungen unserer Verständigungspolitik zum Scheitern verurteilt. Auf Grund zwanzigjähriger Erfahrung können wir daher nicht zustimmen, dass drei Millionen Sudetendeutsche neuerdings nur als Objekt der wirtschaftlichen und historischen Ansprüche der tschechischen Politik behandelt werden.

Will die tschechische Politik auf die Methode des einseitigen Diktates verzichten und eine Neuorganisierung des Staates in demokratischen Formen vorbereiten, dann ist es ihre Aufgabe, zur gegebenen Zeit die Vertreter der sudetendeutschen Bevölkerung einzuladen, alle Fragen, betreffend die Grenzen, den Aufbau und den Inhalt des Staates im Wege freier Vereinbarung zu klären. Nur diese Methode würde für die Verständigungskräfte in der sudetendeutschen Bevölkerung den Boden schaffen, für die Anwendung des Selbstbestimmungsrechtes im Sinne der Wiederherstellung einer Staatsgemeinschaft mit dem tschechischen Volke erfolgreich eintreten zu können.

Eine Lösung der deutsch-tschechischen Grenzfragen durch zwangsweisen Bevölkerungsaustausch lehnen wir als undemokratisch und barbarisch ab. In den dicht besiedelten Sudetengebieten lebt eine Bevölkerung, die mit dem Heimatboden durch Jahrhunderte friedlicher Arbeit eng verbunden ist.

(Quelle: „Der Sozialdemokrat“; (Zeitschrift); London; Jahrgang I, No.2; vom 16.4.1940; S. 32 ff.

 

1941, 17.Mai: Erste öffentliche Erwähnung der Vertreibungspläne durch Dr. Hubert Ripka

…Wir hoffen, dass dieser Krieg die Möglichkeit dazu geben wird, die Frage der deutschen Minderheit in der Tschechoslowakei ein für allemal zu lösen … Es wir notwendig werden, mit allen hierzu geeigneten Mitteln – einschließlich einer eventuellen organisierten Anwendung des Prinzips der Bevölkerungsüberführung (transfer of populations) Deutschland daran zu hindern, seine nationalen Minderheiten für seine groß-deutschen Ziele zu missbrauchen. Man sollte in jedem Falle versuchen, die kleinen mitteleuropäischen Staaten so wiederherzustellen, dass sie in nationaler Beziehung so einheitlich wie nur möglich werden und dass die große Bedeutung der Minderheiten (prominence oft the minority element) in ihnen auf ein Minimum reduziert wird …

(Quelle: Tschechoslowakisches Außenministerium (ed): „Czecholovakia in Post-War Europe“; London; 1942; S.61.)

 

1941, September: Dr. Beneš`s erste öffentliche Verfechtung der Vertreibungspläne

… Die Frage nationaler Minderheiten wird viel systematischer und radikaler durchdacht (considered) werden müssen, als dies nach dem letzten Krieg geschah. Ich bejahe das Prinzip der Bevölkerungstransfers … Wenn man die Frage sorgfältig überlegt und beizeiten kluge Maßnahmen trifft, kann ein Transfer durch anständige menschliche Bedingungen, internationale Kontrolle und Unterstützung tragbar gemacht werden …

(Quelle: „The Nineteenth Century and After“; Bd. 80; London; September 1941

 

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