Emil Franz Rössler – ein (fast) vergessener Jurist aus Böhmen

Am 5. Juni vor 100 Jahren wurde der Jurist, Rechtshistoriker und Bibliothekar, Emil Rössler in Brüx / Böhmen geboren.

Nach seiner rechtshistorischen Promotion in Prag 1842 war der Sohn eines Justitiars als Aushilfslehrer für österreichisches Zivilrecht tätig. Es folgte der Besuch der Historischen Rechtsschule in Deutschland bevor sich Rössler 1845 an der Herausgabe von Quellen zur Geschichte des deutschen Bauernstandes und des Städtewesens in Böhmen und Mähren beteiligen konnte, dem ersten Teil der geplanten Sammlung Deutsche Rechtsdenkmäler.

Wegen der Revolution  1848 ging seine von ihm erstellte Quellensammlung innerhalb der Reihe Fontes rerum austriacarum nicht in den Druck. 1846 erfolgten seine Teilnahme an der 1. Germanistenversammlung in Frankfurt/Main und seine Ernennung zum Dozenten für österreichische Rechtsgeschichte. Da dieses Fach  erst zehn Jahre vorher im Studienplan eingeführt worden war, wurden seine Erkenntnisse und Methoden richtungsweisend. Helmut Slapnicka würdigt ihn im Österreichischen Biographischen Lexikon daher auch als „Begründer einer kritischen Pflege der Rechtsgeschichte in Österreich im Sinn einer historischen Rechtsschule“.

Weniger erfolgreich war dagegen sein politisches Engagement. 1848 wurde Rössler für seinen Heimatbezirk Saaz in die Deutsche Nationalversammlung in Frankfurt am Main gewählt. Kurze Zeit vorher hatte er sich in Wien dem Verein der Deutschen  aus Böhmen, Mähren und Schlesien zur Aufrechterhaltung ihrer Nationalität angeschlossen. In der Nationalversammlung in Frankfurt gehörte er außerdem dem volkswirtschaftlichen Ausschuss und dem Ausschuss für österreichisch-slawische Angelegenheiten an. War Rössler zunächst dem linken Zentrum (Fraktion des „Württemberger Hof“) politisch gesehen angehörig, wechselte er später zum rechten Zentrum („Augsburger Hof“). Seine Unterstützung des preußischen Erbkaisertums machte seine Rückkehr nach Österreich unmöglich. Die Tätigkeiten als Dozent für Rechtsgeschichte und Agrarrecht und als Bibliothekar an der Universität Göttingen sowie als Hofbibliothekar zu Hohenzollern-Sigmaringen waren leider nicht von Erfolgen geprägt.

Zu seinen Werken zählen seine Dissertation von 1842 Über das Ausgedinge auf Bauerngütern nach dem bestehenden gesetzlichen Vorschriften in Österreich mit besonderer Rücksicht auf das Königreich Böhmen, Über das Erbrecht und die Erbfolge des Bauernstandes (1843) sowie Darstellung der vorbestandenen und gegenwärtigen bürgerlichen Gerichtsstellen und der sogenannten Nebenrechte Prags (1844). Daneben war Rössler Herausgeber der Deutschen Rechtsaltertümer in Böhmen und Mähren und behandelte in Band eins Das altprager Stadtrecht aus dem 14. Jahrhundert (1845) und in Band zwei Die Stadtrechte von Brünn aus dem 13. und 14. Jahrhundert nach bisher ungedruckten Handschriften (1852). Die nachträgliche Bedeutung der beiden Bände kommt dadurch zum Ausdruck, dass sie 1963, also über 100 Jahre nach ihrer Erstauflage – und vermutlich gleichzeitig zu seinem 100. Todesjahr - nachgedruckt wurden. Eine sich anbahnende Geisteskrankheit wird als Auslöser für seinen Selbstmord angenommen, doch wahrscheinlich war sich Rössler mitunter seinem bedeutenden Wirken für die Rechtsgeschichte – auch für die Zukunft – nicht bewusst, als er sich am 5. Dezember 1863 in Sigmaringen das Leben nahm.

Julia Nagel

 

 

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