Furcht vor der Wahrheit?

Utl.: „Erinnerungen eines alten Österreichers“ von Fürst Clary-Aldringen

 

Fürst Alfons von Clary-Aldringen (1887-1978) hat 1977 ein hübsches Buch geschrieben. Der Titel ist: „Erinnerungen eines alten Österreichers“. Nach fünf Jahren hatte es schon 9 (neun) Auflagen geschafft! Da Clary-Aldringen einem alten Adelsgeschlecht Böhmens entstammt, dessen Familiensitz in Teplitz–Schönau lag, ist es verständlich, dass man dieses Buch auch ins Tschechische übersetzte. Dies geschah 2002 durch Milada und Milan Kourimsky. Aber, oh Schreck, die tschechische Version weist gravierende Lücken auf: Zwei Kapitel fehlen ganz, und ein drittes wurde entscheidend gekürzt, ohne dass der Leser darauf hingewiesen wird. 

Jeder erfahrene Sudetendeutsche erkennt  den Grund natürlich sofort. Die fehlenden Abschnitte wurden unterschlagen, weil sie gegen das erwünschte  Geschichtsbild verstoßen. Und in der Tat, diese Vermutung trifft zu, wie im Folgenden erläutert wird:

 

Kapitel: „ Völkerbundliga und Konrad Henlein“

Dieses ist das erste, ganz gestrichene Kapitel. Es zeigt den Fürsten als Mitglied der „Sudetendeutschen Liga für Völkerbund und Völkerverständigung“. Nach einer Tagung, an der er teilgenommen hatte, warnte ihn der Gesandte der Vereinigten Staaten, Lewis Einstein, sein Interesse an dieser Liga nicht allzu offen zu zeigen, denn das könnte sich ungünstig auf einige umstrittene Fragen bei der anstehenden Bodenreform auswirken.

Durch die Völkerbundliga lernte der Fürst auch Konrad Henlein kennen. Beide waren Tischnachbarn bei einem Diner, und Clary-Aldringen gewann von Henlein den Eindruck eines ruhigen, besonnenen Mannes mit einer angenehm klingenden Stimme. Als Henlein einmal in Teplitz sprach, hütete sich Clary-Aldringen natürlich davor, an der Kundgebung teilzunehmen. Ein britischer Gast Clarys, es war der Parlamentarier Cazalet, wollte Henlein aber unbedingt hören.

Sie fanden folgenden Ausweg. Der fürstliche Schlossgarten  grenzte zufällig an den Versammlungsplatz, und so versteckten sie sich hinter einem Gebüsch am Zaun, wo man Henlein gut hören konnte. Dieser habe den sudetendeutschen Standpunkt ohne Hass und Demagogie vertreten. Cazalet wollte daraufhin Henlein unbedingt persönlich sprechen, was nach mehreren Versuchen schließlich in einem Karlsbader Hotel gelang. Cazalet wollte wissen, ob die Sudetendeutschen den Anschluss ans Reich anstrebten. Henlein antwortete: „Wir lassen uns nicht nur von unseren Gefühlen leiten, sondern halten uns an das politisch Mögliche.“

In dem unterdrückten Kapitel schildert Clary-Aldringen auch sein bekanntes Treffen mit Henlein wenige Tage vor Kriegsende 1945 in einem Teplitzer Hotel. Wie bekannt, bat Henlein den Fürsten, bei Eisenhower die Besetzung Böhmens durch die US-Streitkräfte zu verlangen. Als sich Clary-Aldringen dazu außerstande erklärte, kam es zu Henleins bekannten Gefühlsausbruch: „Ich habe das alles nie gewollt, sie haben mich getäuscht, meinen Namen missbraucht  und  mich dann entmachtet…“

 

Kapitel „Der Präsident Beneš“

Auch dieses Beneš-Kapitel wurde ganz weggelassen. In ihm beschreibt Clary-Aldringen das äußere Erscheinungsbild Beneš, insbesondere fielen ihm dessen „ganz abscheuliche Hände“ auf. Beneš Buch „Detruisez l`Autrich-Hongrie“ nennt er ein widerliches Machwerk und beschuldigt den Verfasser, in Versailles mit gefälschten Zahlen gearbeitet zu haben. Als die polnische Armee im polnisch-russischen Krieg 1920 in Not geriet, hätte Beneš seine Schadensfreude darüber kaum verbergen können.

Einen sehr breiten Raum nimmt in diesem Kapitel die Hungersnot unter den Sudetendeutschen, vor allem im Erzgebirge, ein. Damit stützt auch er die These, dass die Ereignisse des Jahres 1938 vor allem als Hungerrevolte der Sudetendeutschen zu bewerten sind. Das Kapitel endet mit den Worten, die Beneš zu Dr. Emil Franzel gesagt hat: In Wien sei ihm Hitler lieber als Habsburg.

 

Kapitel „Abschied von Böhmen“

Dieses Kapitel fiel nur zum Teil der Zensurschere zum Opfer, und zwar fehlt in ihm die Schilderung eines Massakers im  Krankenhaus zu Podersam. Dort befand sich Clary-Aldringen im August 1945 mit einer beidseitigen Mittelohrentzündung. Eines Tages forderte ihn ein dort tätiger ukrainischer Arzt auf, sich sehr leidend zu stellen. Der Grund war rasch erkennbar:

Eine Gruppe tschechischer „Freiheitkämpfer“ drang in das Krankenhaus ein und holte die durchwegs deutschen Patienten zum „Verhör“. Das Ergebis war schrecklich, denn die Kranken wurden so fürchterlich verprügelt, dass die meisten von ihnen starben.

Clary-Aldringen, der sich leidend stellte, blieb verschont, offenbar, weil der Sadismus gewisser Menschen nicht im erforderlichen Maße gereizt wird von sich vor Schmerz ohnehin schon krümmenden Menschen.

Ein befremdlicher „Duft“

Der Grund für die beschriebenen Fälschungen ist klar: Auch wenn zum Zeitpunkt der Übersetzung schon zwölf Jahre  seit der „Samtenen Revolution“ vergangen waren,  passten gewisse Kapitel immer noch nicht zum in der CR gepflegten Feindbild von den Sudetendeutschen. Die tschechische Übersetzung erschien unter dem Titel „Der Duft der Erinnerung“ (Vune vzpominek). Wer die Manipulationen kennt, wird ob dieses Duftes eher die Nase rümpfen!

(Witikobrief 4/2015, S. 17, F.V.)

 

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