Sehr geehrter Redakteur Kotanko,

da wir jetzt für einige Wochen die OÖ. Nachrichten gratis vor die Tür gelegt bekommen, habe ich darin heute etwas lustlos geblättert und Ihren LeitartikelDer nette Rechte, der auch anders kannauf Seite 5 gelesen.

Darin schreiben Sie als Ihr Verdammungsurteil u.a. über Hofer:

„Aber man darf sich nicht täuschen: Hofer stammt aus einem deutschnationalen Milieu, ist ein Freiheitlicher vom alten Schlag.“

Sollen dem braven Leser wegen Ihres inquisitorischen Richterspruches die Grausbirnen wachsen und sollte eventuell vor seinem geistigen Auge - wieder einmal - der Einmarsch des GröFaZ bevorstehen?

Wissen Sie, diese Totschlag-Vokabel sind seit Jahrzehnten so abgenützt, daß solche Sätze bei älteren Staatsbürgern nur mehr müdes Gähnen oder mitleidiges Lächeln hervorrufen. Mit Vorliebe werden bei politisch unliebsamen Personen, die nicht der heute herrschenden "political correctness" entsprechen, diese Totschlag-Vokabel zur Verächtlichmachung eingesetzt.

Herr Kotanko, ich will mich hier nicht als Ihr Geschichtslehrer aufspielen, doch darf ich Ihnen raten: bevor Sie zukünftig immer wieder das so bedrohliche „deutschnationale Milieu“ beschwören, machen Sie sich vorher ein wenig bei großen Persönlichkeiten der ÖVP und SPÖ kundig.

Zu Ihrem Verständnis:

Im April/Mai 1965 ging ich für Dr. Alfons Gorbach in den Wahlkampf, der als ÖVP-Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten antrat.

Dr. Gorbach hielt vor dem Linzer Landhaus auf der Promenade eine große Rede, die ich mir als junger Mann anhörte. Darin bekannte er sich als Patriot und „deutscher Mann“, der über alle parteilichen Gräben hinweg das Gemeinsame suche.

Im Jahr 1955, dem Jahr des Staatsvertrages, war Dr. Gorbach Obmann der steirischen ÖVP. Er erklärte zum österreichischen Selbstverständnis im Namen der ÖVP:

„Österreich kann seine Mittlerrolle zwischen Ost und West nur erfüllen, wenn es ein freier, aber auch deutscher Staat bleibt“ („Der Spiegel“, Nr. 44/1955, S. 32).

Am 4. März 1959 sagte Dr. Alfons Gorbach im Nationalrat:

„Das italienische Volk wird aber seinerseits verstehen und begreifen müssen, daß wir Österreicher – und ich glaube sagen zu dürfen: alle Deutschen – nicht tatenlos zusehen können und werden, wenn ein deutscher Volksstamm und ein Land, welches uns ganz besonders wertvoll sind und die wir als unseren unverlierbaren seelischen Besitz empfinden, langsam italienisiert werden“.

Über das Verhältnis zwischen der Bundesrepublik und Österreich teilte uns Dr. Gorbach mit:

„Ein volles Jahrtausend gemeinsamer Sprache und Geschichte, gemeinsamer Religion und Kultur, gemeinsamen Leides, gemeinsamer Abwehr außereuropäischer Kräfte, lassen sich einfach nicht auslöschen“.

1967 erklärte Dr. Gorbach bei einer Aussprache in der Volkshochschule Wien-Brigittenau:

„Die Österreicher haben für den völkischen Seperatismus nichts übrig. Wir sprechen in Österreich deutsch wie Goethe und Grillparzer, wie Schiller und Peter Rosegger und gehören daher in diesem Land keinem nebulosen slawischen Kulturkreis an….“


Nun grüble ich, Herr Kontanko, ob ich damals für einen Mann aus dem „deutschnationalen Milieu“ meinen Idealismus, meine Zeit und mein Geld verschwendet hatte?

Es kommt aber noch schlimmer: der ÖVP-Landeshauptmannstellvertreter und Nationalratsabgeordneter Dr. Hanns Koren schrieb am 11.4.1964 in der „Südost-Tagespost“:

„Wer sagt, daß es unserer Jugend völlig gleich ist, ob sie dem deutschen oder einem anderen Volke angehört, der übersehe nicht, daß einer solchen Jugend auch Österreich gleichgültig wäre (…)

In einer Zeit, in der der Boden eines Volkes, das eine gemeinsame Sprache spricht, so von Mauern und Gräben, von Stacheldrähten und Grenzen durchzogen und zerrissen ist, wie noch nie seit dem Dreißigjährigen Krieg, ist diese Freiheit, die wir mit dem 26. Oktober feiern, auch ein Stück der deutschen Freiheit. (…)

Glauben Sie mir, mit diesem Bekenntnis wird auch jenes andere Bekenntnis realistischer und glaubwürdiger: Das Bekenntnis zu den unvergänglichen Werten deutscher Kultur und deutschen Volkstums, die in die Grundfesten Österreichs eingemauert sind“.

Herr Kontanko, wie würden Sie sich über Herrn Hofer auslassen, würde der so etwas beim TV-Duell mit dem Herrn v. d. B. gesagt haben?

Aber auch die rote Reichshälfte war im „deutschnationalen Milieu“ befangen. Herr Bundespräsident Dr. Adolf Schärf (1957-1965, SPÖ) bekannte:

„Ich bin überzeugt, daß die Deutschen das Nibelungenlied immer als ein deutsches Epos betrachten werden, auch wenn es in Österreich aufgezeichnet wurde, und in Österreich wird man nie vergessen, Goethe und Schiller als eigenen geistigen Besitz anzusehen (…) es wird ein Volksbewußtsein geben, das die Gemeinsamkeit im deutschen Kulturgut immer wieder geistig lebendig erhalten wird“.

SPÖ-Vizekanzler und Obmann DDr. Bruno Pittermann erklärte am 4. April 1964 vor dem Bund sozialistischer Akademiker:

„Auf die Frage, ob wir Deutsche oder Österreicher sind, wird die Mehrheit der Österreicher wie im Jahre 1918 antworten: deutsche Österreicher….“

Der SPÖ-Bürgermeister von Linz, Dr. Ernst Koref, erklärte („Die Zukunft“ 1965, S. 6-7):

Sagen wir es vielmehr klipp und klar: wir sind deutsche Österreicher, und spielen wir nicht weiterhin aus Opportunitätsgründen verstecken!“


Herr Bundespräsident Dr. Rudolf Kirchschläger (SPÖ) beim Festakt 200 Jahre Burgtheater am 4. April 1976:

„Im ersten Jahrzehnt nach Kriegsende nahm das Burgtheater seine Chance wahr, wieder zur ersten deutschen Bühne zu werden“.


Jacob Dirnböck, der Verfasser der steirischen Landeshymne, dichtete:

„Wo noch deutsches Wort und ein Handschlag gilt…“


Vor 800 Jahren dichtete der Österreicher und Minnesänger Walther von der Vogelweide im „deutschnationalen Milieu“:


Ich han der lande vil gesehen

unde nam der besten gerne war:

Übel müeze mir geschehen,

kunde ich ie mîn herze bringen dar

Daz im wol gevallen

Wolde fremeder site.

Nû waz hülfe mich, ob ich unrehte strite?

Tiusche zuht gâ vor in allen.

Tiusche man sint wol gezogen,

rehte als engel sint diu wîp getân…


Herr Kotanko, folgender Ausspruch stammt von Abraham Lincoln:

Man kann einen Teil des Volkes die ganze Zeit täuschen und das ganze Volk einen Teil der Zeit. Aber man kann nicht das gesamte Volk die ganze Zeit täuschen“.

(Milwaukee Daily Journal, 29. Oktober 1886)

Mit freundlichen Grüßen

Georg Dattenböck

 

 

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