Riesengroßes „Kamingespräch“ mit Präsident Rudolf Schuster in Wien

Utl.: Österreichisch-Slowakische Gesellschaft füllte Festsaal der Diplomatischen Akademie

 

Am 27.3.2015 konnte Präsident Dr. Werner Fasslabend im zum Bersten vollen Saal viele aktive und im Ruhestand befindliche Politiker und Diplomaten und Botschafter voran begrüßen – u.a. auch den neugewählten Obmannstellvertreter der Karpatendeutschen Landsmannschaft in Österreich (KDLÖ), Gerhard Zeihsel, begrüßen. Im Publikum wurde auch der SLÖ-Landesobmann von Wien, NÖ und Bgld., Dieter Kutschera und Landsleute gesichtet.

In einem Film wurden vor allem Staatsbesuche des regen Präsidenten der Slowakei mit deutschen Wurzeln gezeigt. Da wurde auch bekannt, dass schon sein Vater mit einer Filmexpedition 1927 im tiefsten Brasilien monatelang Dokumentationen aufzeichneten – noch mit einer Holzkamera. Es war für Rudolf Schuster und die Generationen bis zu seiner 20-jährigen Enkelin eine Verpflichtung, auf diesen Spuren weiter zu forschen.

Präsident Schuster hat viele Staatsoberhäupter zu Freunden der Slowakei gewonnen – darunter den damaligen NR-Präs. Dr. Heinz Fischer, aber auch Präs. Rau aus Deutschland.

Dann begann der jugendliche 81-Jährige von sich zu erzählen und man hatte das Gefühl mit ihm am „Kamin“ zu sitzen – man sah die vielen Menschen nicht, man vergaß sie. Da erfuhr man, dass der 1934 in Kaschau/Košice geborene Altpräsident Sohn eines karpatendeutschen Waldarbeiters war und es ihm nicht in die Wiege gelegt war, von 1983 – 1986 Oberbürgermeister seiner Geburtsstadt zu werden.

Aber - obwohl in den Ostslowakischen Eisenwerken Mitglied der Kommunistischen Partei geworden - schloss er sich im Zuge der Samtenen-Revolution im Nov. 1989 der Opposition an und war in der Übergangszeit für einige Monate Vorsitzender des Slowakischen Parlaments.

In vielen „Gschichterln“ erzählte er, wie er 1994 neuerlich Oberbürgermeister von Kaschau wurde und 1999 die Präsidentschaftswahlen gegen Vladimir Meciar gewann und bis 2004 sich als Staatsoberhaupt der Slowakischen Republik einsetzte. Er bemerkte bei seinen „Gschichterln“ auch, dass der „Schusterovka“ bei vielfältigen Kontakten nicht fehlen durfte.

Aber schon im Sommer 2000 war Schuster lebensgefährlich erkrankt, aber in der Innsbrucker Universitätsklinik – wie auch Vaclav Havel – erfolgreich behandelt – seitdem betrachtet er die Tiroler Hauptstadt als seinen „zweiten Geburtsort“.

Er ist Autor vieler Bücher, spricht fünf Sprachen, mehrfacher Ehrendoktor und Träger des Europäischen Karlspreises der Sudetendeutschen Landsmannschaft.

Die Diskussionsrunde mit Präs. Schuster eröffnete Dr. Steffanides (Österr. Landsmannschaft) mit der Bitte eine Sprachprobe seiner deutschen Mundart „Mantakisch“ aus dem Bodwatal zu geben, kam er sofort nach – klang ein wenig tirolerisch – aber die meisten glaubten sie zu verstehen – es war die Sprach, die man in Metzenseifen sprach, wo er aufgewachsen war und von 1941 – 1945 besuchte er die deutsche Schule – in der autonomen Slowakischen Republik aus Hitlers Gnaden unter Hlinka und Prälat Tiso.

Auch in den deutschen Familien ging die Spaltung durch die Familien- je näher die Rote Armee über die Ostslowakei nahte. Manche verschwanden im Wald und heuerten bei Partisanen an, andere waren bei den Slowakischen Klerikalfaschisten, andere bei der Deutschen Wehrmacht. Die Metzenseifener waren abseits gelegen und flüchteten in die Wälder, wenn Partisanen nach Kriegsende nahten und als sie wieder zurückkamen, konnten sie in ihrem Heimatort bleiben, in der Schule gab’s auch wieder Deutsch-Unterricht!

Ein Sudetendeutscher mit südmährischen und schlesischen Wurzeln wollte wissen, wie es um die rassistischen Beneš-Dekrete bestellt sei. Hier wand sich der schlitzohrige Präsident, der durch viele Systeme ging – und meinte, die Slowakei müsse sie vor allem aus Rücksicht auf die Tschechei beibehalten. Gerhard Zeihsel wollte ihm gegenhalten, dass die 150.000 Karpatendeutschen nie in der Slowakei das Problem gewesen seien, sondern die über 500.000 Madjaren, die hauptsächlich in der Süd-Ost-Slowakei ihr Siedlungsgebiet haben. Sie waren – wie die Deutschen – auch kollektiv enteignet - Opfer der Beneš-Dekrete – das hat der durch viele Wasser geschwommene deutschstämmige Präsident der Slowakei – natürlich verschwiegen!

Und übrigens: für Dr. Schuster gab es nur Preßburg bei seinem Vortrag.

Es folgte ein Imbiss, bei dem es auch slowakische Spezialitäten gab und man mit vielen Menschen interessante Gespräche führen konnte.

 

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