Rechtswahrung

von Manfred Maurer

ZUM THEMA Restitution und Ent­schädigung hört man nicht allzu viel aus der Münchener Hochstraße. Zur in Oberösterreich mit durchaus beachtli­chem Echo gestarteten Umfrage unter Vertriebenen beziehungsweise deren Nachkommen über deren Haltung zur Eigentumsfrage hat sich die Spitze der Sudetendeutschen Landsmannschaft bislang nicht geäußert.

Böse Zungen mögen dies als Ignoranz interpretieren und als Ablehnung jeder Initiative, wel­che auf Restitution und Entschädigung zielt. Genährt werden könnten solche Vorurteile durch die schon vor langem geäußerte Haltung des Vorsitzenden Bernd Posselt, wonach er für sich per­sönlich keinerlei Restitutionsansprüche geltend machen wolle.

DOCH WER DER Landsmannschaft deshalb unterstellt, sie lehne die Unterstützung von Restitutionsbegehren im Allgemeinen und die neueste Initiative der Landsmannschaft in Oberösterreich im Besonderen ab, der kann nur einem Mißverständnis erlegen sein. Denn die SL in München hat schon vor langem eine der oberösterreichischen Initiative stark ähnelnde Aktion gestartet.

Ein Leser aus Baden-Württemberg hat der „Sudetenpost" ein interessantes Doku­ment aus dem Nachlaß seines Vaters zukommen lassen. In dem Formular aus dem Jahr 1982 geht es um die „Rechtswahrung zur Aufrechterhaltung der Vermögensansprüche der Sude­tendeutschen".

Im Februar 1978 hatte nämlich die Bundesversammlung der SL in München beschlossen, Sudeten­deutsche eben zum Zwecke dieser Rechtswahrung zur Abgabe einer Er­klärung über ihre Haltung zur Eigen­tumsfrage aufzurufen. In einem von der Landsmannschaft entworfenen Formular konnten die Vertriebenen nicht nur das von ihnen enteignete Vermögen auflisten. Sie konnten darüber hinaus sogar auch noch erklären, daß sie „des weiteren Anspruch auf meinen Anteil an unserem Gemeinschafts­und öffentlichen Vermögen (erheben)".

Gleichzeitig erklärten die Unterzeich­ner, daß sie die Sudetendeutsche Landsmannschaft „ermächtigen, diese Ansprüche gegenüber allen Stellen anzumelden, die jetzt und in der Zukunft für die Wiedergutmachung der an mir beziehungsweise meinen Vorfahren vollzogenen totalen Enteignung verant­wortlich beziehungsweise zuständig sind".

DA KANN MAN aus heutiger Per­spektive nur sagen: Weitsichtig, vorbild­lich und konsequent. Da sage noch ein­mal einer, die Sudetendeutsche Lands­mannschaft nehme die Eigentumsfrage nicht ernst! Da der SL-Beschluß von 1978 nicht durch einen anderen Be­schluß aufgehoben worden ist, ist na­türlich davon auszugehen, daß der selbstauferlegte Auftrag, „jetzt und in der Zukunft" die Vermögensansprüche gegenüber allen Stellen zu vertreten, nach wie vor volle Gültigkeit hat.

DAS KANN die Initiatoren der im klei­nen Oberösterreich mit Wirkung weit darüber hinaus gestarteten Rechtswah­rungsinitiative nur freuen. Sie wissen jetzt: Auch wenn Bernd Posselt das in diplomatischer Zurückhaltung nicht an die große Glocke hängt, können sie sich der vollen Unterstützung der ge­samten Landsmannschaft sicher sein, weil es keinen Grund gibt, an der Gültig­keit und Verbindlichkeit von Beschlüssen der Bundesversammlung zu zwei­feln, solange nichts Gegenteiliges be­schlossen worden ist.

DA WOHL NICHT nur der Vater unseres Lesers in Baden-Württemberg seinerzeit dem Aufruf der SL gefolgt ist, sondern wahrscheinlich viele Tausend Vertriebene die Landsmannschaft zur Vertretung ihrer Eigentumsansprüche ermächtigt haben, drängt sich eine Bündelung der Kräfte auf: Die SL Oberösterreich will die Ergebnisse ihrer Eigentums-Umfrage dort präsentie­ren und Druck machen, wo sie auch prä­sentiert und wo Druck gemacht gehört: in Prag. Da könnte sich die SL in München gleich mit den Rechtswahrungs-Formula­ren anschließen, die sie in den 1980er Jahren eingesammelt hat.

WÄRE DOCH EWIG SCHADE, wenn die Dokumentation einer so vorbildlichen Aktion im Keller der Hochstraße 8 ver­staubte.

Dieser Kommentar von Manfred Maurer erschien in der Sudetenpost Folge 10 vom 2. Oktober 2014.

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