Entschädigung!?

Von Manfred Maurer

WIE ES der Zufall will, fiel das Neuaufflammen der Debatte um griechische Reparationsforderungen an Deutschland zeitlich ziemlich genau zusammen mit dem (rechtlich noch nicht in trockenen Tüchern befindlichen) Beschluß der sudetendeutschen Bundesversammlung, neben dem in der Tat etwas mißverständlich formulierten Auftrag zur „Wiedergewinnung der Heimat" auch gleich die Forderung nach Restitution und Wiedergutmachung aus der Satzung der Landsmannschaft zu streichen.

DAS LOB AUS PRAG folgte prompt. Und auch in Deutschland gab es viele Schulterklopfer. Es gehört sich ja wirklich nicht, 70 Jahre nach der Vertreibung noch immer diese alten Geschichten hervorzuholen und Wiedergutmachung für damals erlittenes Unrecht einzufordern. Wir schauen doch in die Zukunft, wird den Sudetendeutschen bei jeder Gelegenheit gesagt. Zurück in die Vergangenheit dürfen sie auch schauen, aber doch bitte nach Möglichkeit mit einem museal verklärten Blick: Ja, es war keine schöne Zeit damals, aber heute haben wir's doch alle gut! Und bitte niemals vergessen: Eigentlich haben die Sudetendeutschen nur für die Verbrechen der Nazis gezahlt, also Pech gehabt.

Entschädigung? Wer wird denn so kleinlich sein? Nein, die Landsmannschaft in München will es nicht mehr sein. Dafür denkt sie jetzt umso größer, gleich im globalen Maßstab, wenn sie sich in der neuen Satzung den Auftrag erteilt, „Völkermord, Vertreibungen, ethnische Säuberungen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, menschen- und völkerrechtswidrige Enteignungen sowie Diskriminierungen weltweit zu ächten und dort, wo sie erfolgten, auf der Grundlage eines gerechten Ausgleiches zu heilen". „Gerechter Ausgleich" - da läßt sich alles reininterpretieren. Natürlich auch Entschädigung und Restitution. Aber, wenn man nicht will, dann eben auch nicht. Wer die klare Ausdruckweise meidet, erhöhte die Beifallschancen. Hätte die Landsmannschaft an ihren Forderungen in der gewohnten Wortwahl festgehalten (wie es übrigens die SLÖ tut), hätte es keine Streicheleinheiten für Bernd Posselt und Co. gegeben.

UND DENNOCH REDETEN manche deutsche Politiker in den vergangenen Wochen immer wieder von der Notwendigkeit von Entschädigungen für historisches Unrecht. Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner etwa ist „der Meinung, daß wir die Entschädigungs-Diskussion führen müssen". Denn, so ist seine Begründung: „Das gehört zum Umgang mit unserer eigenen Geschichte. Ich bin gegen Schlußstrichdebatten. Es gibt auch nach Jahrzehnten noch zu lösende völkerrechtliche Fragen." Und auch seine Parteifreundin Gesine Schwan, die zweimal (2004 und 2009) gescheiterte Bundespräsidentschaftskandidatin, ist der fe­sten Überzeugung:„ Wir sollten auf die Opfer und deren Angehörige finanziell zugehen."

STREBEN DIE BEIDEN jetzt vielleicht eine Ehrenmitgliedschaft beim Witikobund an? Natürlich nicht. Es geht ja nicht um Entschädigung für deutsche Opfer, sondern um Entschädigung, welche Deutschland an die Griechen zahlen soll. So ist die Welt gleich wieder in Ordnung. Und da kann dann natürlich auch der Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter mit: Die Bundesregierung wäre „gut beraten, mit Griechenland Gespräche über die Aufarbeitung der deutschen Verbrechen in Griechenland und eine gütliche Lösung zu suchen".

JA, SO IST DAS EBEN. Wenn die Sudetendeutschen - unter denen es übrigens viele heute von den SPD's und SPÖ's längst vergessene Sozialdemokraten gegeben hat - Entschädigung für erlittene Nachkriegsverbrechen urgieren, dann wird das als ewiggestrige Lamentiererei abgetan und von der Politik - abgesehen von leeren Worthülsen - weitgehend ignoriert. Motto: Nach 70 Jahren muß doch endlich Schluß sein damit. Wenn aber Deutschland mit aus der Nazi-Zeit resultierenden Forderungen konfrontiert wird, finden sich immer namhafte Volksvertreter, welche solche Forderungen für sehr wohl legitim halten.

DA IST Kanzlerin Merkel wenigstens konsequent: Sie unterstützt materielle Forderungen von Vertriebenen nicht, weist aber auch die aus Athen zurück.

Dieser Kommentar von Manfred Maurer erschien in der Sudetenpost Folge 4 vom 9. April 2015.

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