Sonderausstellung 2015 der Südmährischen Galerie in Retz durch Dr. Bornemann eröffnet

Utl.: Romanische Handschrift „Cursus sanctae Mariae“ um 1215 vorgestellt

Vor elf Jahren hat bei einem Festakt LH Dr. Erwin Pröll das Museum der Stadt Retz und die Südmährische Galerie-Stiftung Dr. Hellmut Bornemann eröffnet. Seither ist es guter Brauch – neben der Dauerausstellung – zur Saisoneröffnung eine eigene Sonderausstellung durchzuführen, um den Besuchern einen tieferen Einblick in das Südmährische Kulturerbe zu bieten.

Am 11. April war es soweit. Dr. Bornemann konnte vor vollem Saal im Museum Retz auch Ehrengäste begrüßen: LAbg. Richard Hogl (ÖVP) in Vertretung von LH Dr. Pröll, Vzbgm. von Retz Alfred Kliegl (SPÖ) und Vzbgm. von Alberndorf A.Dir. Manfred Baumgartner, Präsident Dr. Manfred Frey, Univ. Prof. Dipl. Ing. Heinz Brandl und viele südmährische Amtswalter.

„Erlauben Sie mir nun eine kurze Einführung zu der diesjährigen Sonderausstellung. Ein besonderes Exponat in der Dauerausstellung der Galerie ist eine beleuchtete Folie einer romanischen Handschrift aus der Zeit um 1215. Ich freue mich sehr, dass wir die Handschrift „Cursus sanctae Mariae“ in den Rahmen der diesjährigen Sonderausstellung stellen können. In wenigen Worten darf ich von Agnes, der Tochter des Böhmischen Königs Premysl Ottokar I. berichten, die als Kind nach Schlesien gebracht wurde, um dort mit dem gleichaltrigen Sohn des Herzogs aufzuwachen. Dieser starb jedoch schon nach drei Jahren und Agnes musste nach Böhmen in das Stift Doxan zurückgebracht werden. Um Agnes das Einleben in ein Prämonstratenser Stift zu erleichtern, wurde das Chorherrenstift Klosterbruck am Fuß der Stadt Znaim beauftragt, für die Königstochter eine Einführung in das Leben einer Stiftes des Prämonstratenser Ordens zu erstellen.

Alle Miniaturen der Handschrift sind bunt gestaltet. Leider können wir den Besuchern nicht alle 27 Miniaturen dieser Handschrift in Farbe zeigen. Die Handschrift wurde in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts an eine Bibliothek in New York verkauft und diese Bibliothek verlangt für jedes Dia einer Miniatur 123 Dollar. Dazu kämen dann noch die Aufwendungen für die Vergrößerungen. Einige wenige Miniaturen sind bunt vorhanden. Vor 24 Jahren habe ich das Buch über Klosterbruck veröffentlicht und erhielt seinerzeit die Dias zu einem Bruchteil der heutigen Preise.

Umrahmt sind die Miniaturen mit mittelhochdeutschen Texten. Die letzte Folie, die leider sehr beschädigt ist, stellt den Deutschen Kaiser Heinrich II. und seine Gemahlin Kunigunde dar. Die dritte Person ist der Heilige Wenzel. Der Text der übrigen Handschrift ist in lateinischer Sprache, nur ein Gebet ist zum Teil in deutscher Sprache abgefasst.

Es ist mir ein besonderes Anliegen Dank zu sagen für die großzügige Unterstützung, die der Südmährischen Galerie nicht nur bei den Sonderausstellungen zuteilwird. Es sind die bedeutenden Museen Österreichs, wie die Galerie Belvedere, das Heeresgeschichtliche Museum und das Museum für angewandte Kunst in Wien sowie die Ostdeutsche Galerie in Regensburg. Diese Unterstützung verleiht der Südmährischen Galerie eine besondere Bedeutung.

Danken darf ich auch der Bayerischen Staatsregierung für die finanzielle Unterstützung bei dem Aufbau der jährlichen Sonderausstellungen. Nur so ist es möglich, einen Beitrag zum Erhalt des Südmährischen Kulturerbes zu leisten.

Die Unterstützung der Südmährischen Galerie wird jeden Tag unterstrichen durch Aktivitäten des Retzer Museumsvereines. Ich darf dem Vorstand des Vereines und besonders Herrn Gemeinderat Schweitzer und Herrn Misner einen besonderen Dank sagen. Bleiben Sie der Südmährischen Galerie auch in Zukunft so eng verbunden. Sie werden sehr gebraucht.“ Hier setzte starker Beifall ein.

„Lassen Sie mich an dieser Stelle einzelne wichtige Gesichtspunkte zu der Entstehung und dem Verbleib der Handschrift ansprechen, da Sie mich hier im größeren Raum besser verstehen können:

1.    Der Auftraggeber für die Handschrift ist wahrscheinlich der Markgraf von Mähren, Heinrich.

2.    Die Ausarbeitung der Handschrift lässt vermuten, dass 3 Künstler an der Gestaltung der Miniaturen beteiligt waren.

3.    Die Zuordnung der Handschrift nach Klosterbruck ist nicht einfach, da in der Handschrift selbst kein Hinweis enthalten ist. Gefunden wurde allerdings im Znaimer Museum eine Folie der Handschrift als Einband eines anderen Buches. Und die Erwähnung im Kalendarium von Personen, die einen direkten Bezug zu Znaim und Klosterbruck haben.

4.    Die Entstehung der Handschrift muß vor 1242 erfolgt sein, da in diesem Jahr das Stift geplündert wurde.

5.    Eindrucksvoll ist das Schicksal der Königstochter Agnes. Sie hat die Rückreise von Schlesien erleben müssen und es kam auch eine zweite angestrebte Ehe – diesmal mit dem Sohn des Deutschen Kaisers – nicht zustande. Sie trat daraufhin in ein Kloster ein und wurde für ihren Einsatz in dem Orden heiliggesprochen.

6.    Die künstlerische Gestaltung der Miniaturen mit den Umschreibungen der Texte ist in mittelhochdeutscher Sprache.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und bitte Sie mir zu der Sonderausstellung zu folgen,“ schloss Dr. Bornemann sein Fachreferat. Es folgte stark anhaltender Beifall für den profunden Vortrag.

Öffnungszeiten:

Bis 26. Oktober von Freitag, Samstag, Sonntag und Feiertag von 13.00 bis 17.00 Uhr

Sondertermine:

Bitte kontaktieren Sie GR Schweitzer unter +43 (0) 664 7326 6148

Mail: museum-retz@aon.at

Info: www.museumretz.at

 

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