Sudetendeutsche in der Arktis III

Ein Mährer in der Arktis

In Hohenstadt im Schönhengstgau steht heute vor dem Bahnhof ein Denkmal eines Hohenstädters, der im hohen Norden als Eskimohäuptling amtierte: Es ist Jan Welzl, auch als Eskimowelzl oder Arktis-Bismark bekannt. Im Stadtzentrum trägt eine Gasse seinen Namen und posthum erhielt der 1948 in Kanada Verstorbene im Jahre 2000 die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatstadt.

„Jan Eskymo Welzl statue“ von Michal Maňas - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY 3.0 über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Jan_Eskymo_Welzl_statue.jpg#/me…

Wer war nun dieser Mann, der Abenteurer und Weltreisende, Buch-Autor, Erfinder und Eskimohäuptling war? Von dem zwischen den Weltkriegen in Berlin Bücher wie „Ein Leben in der Arktis“ und „Auf den Spuren der Polarschätze“ erschienen, dessen Buch „Klein Weißohr“ noch 1954 in Leipzig erschien und dessen Leben 1998 im Münchner Verlag Hanser der Autor Peter Sis als Legende und tschechisches Volksmärchen unter dem Titel: „Die unglaubliche Geschichte des Jan Welzl“ beschrieb?

Jan Welzl wurde 1863 in Hohenstadt geboren und wurde in seiner Kindheit „Topfenhannes“ genannt, weil seine Mutter Milchfrau und Krämerin im Haus Unter den Lauben war. Nach seiner Lehre als Schlosser ging er schon als 16-Jähriger nach Wien, später nach Genua und als Wandergeselle nach Bosnien, Serbien und Rumänien. Von dort kehrte er nach Hohenstadt zurück und leistete seinen Militärdienst ab, um nach dessen Beendigung in Hamburg auf einem  Schiff als Küchenkraft, später in Genua als Schiffsheizer anzuheuern und die Welt zu bereisen. In Wladiwostok quittierte er den Schiffsdienst, um sich in Rußland bis zum Baikalsee durchzuschlagen und beim Bau der Transsibirischen Eisenbahn Geld zu verdienen.

Später finden wir ihn im nördlichen Sibirien am Eismeer und sogar auf den dortigen Neusibirischen Inseln als Walfänger, Bärenjäger, Pelzhändler, aber auch als Fuhrunternehmer, der mit Hundeschlitten in diesen unwirtlichen eisigen Gegenden Post und Waren bis in entlegene Dörfer und Siedlungen brachte. Er wurde dadurch bekannt und von den Eingeborenen liebevoll in deren Sprache Moojok Ojwaah d.h. Bärenfresser genannt, während ihn die Russen als Arktik-Bismarck riefen. Sein Ansehen war so groß, dass ihn die Eskimos auf den Neusibirischen Inseln 1903 zum Häuptling wählten.

Nach dem Ersten Weltkrieg, nach dem Tode des Zaren und der Etablierung des Kommunismus in Russland ging Welzl nach Alaska, wieder als ein echter Abenteurer, der im Yukon River Gold wusch. Als bei einer Reise nach den USA das Schiff strandete, wurde Welzl zwar gerettet, aber er hatte keine Ausweise. Ungläubig hörten die USA-Beamten, dass er in der Sowjetunion auf den Neusibirischen Inseln Eskimohäuptling sei, aber auch Bürger der österreichisch-ungarischen Monarchie, für die er seinen Militärdienst geleistet habe.

Da die Monarchie nicht mehr existierte und Welzl für seine Aussagen keine Beweise bringen konnte, wurde er nach Europa abgeschoben, wo er über Hamburg und Prag nach mehr als 30 Jahren Abwesenheit Ende 1920 in Hohenstadt ankam. In Hamburg hatte sich das Tschechoslowakische Konsulat seiner angenommen. In seiner Heimat wurde man bald auf ihn aufmerksam. Er hielt Vorträge und verfasste Bücher, für die Karel Čapek die Vorworte schrieb. Präsident Masaryk empfing ihn persönlich, aber es gab auch Stimmen, die ihn als Schwindler und Hochstapler verdächtigten, weil man die Neusibirischen Inseln für unbewohnt hielt.

Dass er oft wie ein Polar-Robinson allein in Höhlen lebte, schien ebenso unglaublich wie seine Berichte, dass er als Häuptling auch Richter war, der sogar Todesurteile fällte, aber auch Unternehmer war, der für die Eskimos Felle verkaufte und sich sogar ein eigenes Schiff leisten konnte. Das Buch „30 Jahre im Goldenen Norden“ war 1930 ein Erfolg und wurde auch ins Englische und in andere Sprachen übersetzt. In den USA erhielt es sogar einen Literaturpreis. Es hielt ihn aber nur vier Jahre in der Heimat. Da Alaska zur USA gehörte, durfte er nicht einreisen, auch nicht in die Sowjetunion. Er starb 1948 in Dawson in Kanada, wo er die letzten Jahre versuchte, ein Perpetuum Mobile zu erfinden.

Rudolf Grulich

 

Eskimos - INUIT >  https://de.wikipedia.org/wiki/Inuit

 

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