Nachlese zum Sudetendeutschen Heimattag in Klosterneuburg (5)

Utl.: Schlussworte von Mag. Wolf Kowalski bei der Kundgebung

Am Ende der Kundgebung beim Heimattag 2014 dankte im Auftrag der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Österreich der Wissenschaftsreferent des Bundesverbandes, Mag. Kowalski, den Ehrengästen für ihre Teilnahme und ihre Grußworte, wobei er besonders den Festredner, den Abgeordneten und ÖVP-Fraktionsobmann im Europaparlament Karas hervorhob.

Ihre Anwesenheit sei ein Zeichen der Solidarität mit dem Schicksal der Heimatvertriebenen, einer  Solidarität, die sie in der Vergangenheit, aber auch in der Gegenwart oft schmerzlich vermissten. Wenn heute bei diversen Gelegenheiten die erfolgreiche Eingliederung der Vertriebenen in die österreichische Wirtschaft und Gesellschaft belobigt wird, so wird dabei ausgeblendet, dass die Neuankömmlinge keineswegs mit offenen Armen empfangen wurden, was sie als Altösterreicher doch erwarten hätten können.

Fast 400.000 Heimatlose fanden in Österreich eine „neue“ Heimat, aber es war, wie es in einem Buchtitel heißt, eine „kalte“ Heimat. Erst 9 Jahre nach Kriegsende erhielt die große Mehrheit von ihnen die österreichische Staatsbürgerschaft, 30.000 von ihnen lebten damals noch immer in Barackenlagern. Diskriminierungen bei Ausbildung und Studium, im Berufsleben und bei Sozialleistungen waren die Regel und nicht die Ausnahme.

Die Diskriminierungen der Vertriebenen haben heute ein anderes Gesicht: Sie erfolgen nicht mehr auf materieller, sondern auf geistiger Ebene. Nicht nur Journalisten und Historiker in den Vertreiberstaaten, sondern auch und besonders auf österreichischen Universitäten und in einheimischen Zeitungsredaktionen verkünden als Standarddoktrin des Vertreibungsthemas, die altösterreichischen Vertriebenen deutscher Mutterspracher seien an ihrem Schicksal selbst schuld. Kowalski wies weiters in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es derzeit üblich sei, zur Analyse von Gegenwartsproblemen historische Vergleiche anzustellen.

Dabei trete eine oft groteske historische Unkenntnis zu Tage. So werde die aktuelle Forderung nach antirussischen Maßnahmen damit begründet, dass ja schon im Jahre 1938 die Sudetenkrise gezeigt habe, dass Nachgiebigkeit negative Folgen habe. Dabei wird bewusst oder aus Unwissen ausgeblendet, dass die wirkliche Ursache der Ereignisse in der Tschechoslowakei im Jahre 1938 die tschechische Unnachgiebigkeit in der Frage der Autonomie für die nationalen Minderheiten gewesen ist, genauso wie in der Gegenwart  die ukrainische Unnachgiebigkeit gegenüber der russischen Minderheit der eigentliche Kern des Problems ist.

Am Ende seiner Ausführungen dankte der Referent den anwesenden Landsleuten für ihr Kommen. Sie zeigten damit, dass sie sich trotz fehlender Versöhnungsbereitschaft der meisten Vertreiberstaaten nicht entmutigen ließen, weiterhin Recht und Gerechtigkeit einzufordern. Sie setzten durch ihre Anwesenheit ein Zeichen, dass sie trotz eines deutlichen Anwachsens chauvinistischer Strömungen in Tschechien und Polen nicht bereit sind zu schweigen und zu resignieren.

Sie würden damit eine stetige Erinnerung und Mahnung bewirken, ähnlich jenem mahnenden Denkmal, dass die Oberschlesier ihrem großen Dichter Joseph von Eichendorff gesetzt haben: Neben der von den Vertreibern geschändeten Grabtafel der Familie steht als einziger Kommentar das Dichterwort: „Und der Herr hat nichts vergessen, was geschehen, wird er messen nach dem Maß der Ewigkeit, oh wie klein ist doch die Zeit!“. Dieses Eichendorff-Wort möge den Landsleuten Trost geben in einer vom Gefühl der Aussichtslosigkeit geprägten Zeit.

 

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