Wien, am 20.Mai 2014

Der Zentralrat der vertriebenen Deutschen e.V. (ZvD) trauert um seinen Vorsitzenden Herbert Jeschioro, der am 11. Mai 2014 verstorben ist

An Herbert Jeschioro, am 5. Oktober 1927 in der schlesischen Hauptstadt Breslau geboren, schieden sich die Geister. Freund oder Feind, dazwischen gab es nicht viel. Und der Feinde waren viele.

Da wären zunächst diejenigen zu nennen, die ihn und seine Mitstreiter als vermeintlich Rechtsradikale und Revanchisten denunzierten, ohne auch nur zur Kenntnis zu nehmen, daß es Herbert Jeschioro nie um politisch ideologische Inhalte, sondern immer nur um Wahrheit und Gerechtigkeit ging. Da gab es die zahlreichen Politiker, Verbände und Parteien, die sein Engagement für diejenigen stets zu ignorieren suchten, die er immer als die eigentlichen Opfer des 2. Weltkriegs betrachtete – die Millionen nach 1945 aus ihrer Heimat ausgetriebenen Menschen. Da waren auch die vielen Medienvertreter, gegen deren Ignoranz und moralisch begründeter Besserwisserei er anging. Es sind auch jene Funktionäre der offiziellen Vertriebenenverbände zu nennen, die sich mehr um ihre eigenen Interessen kümmerten als um die ihrer Mitglieder. Und schließlich müssen auch zahlreiche Vertreter der Austreiberstaaten erwähnt werden, die den unliebsamen Mahner und Erinnerer selbstredend mit Totschweigen bedachten, wenn er sie mit den Verbrechen der Nachkriegszeit konfrontierte. Herbert Jeschioro ließ sich davon niemals beeindrucken und schon gar nicht davon abhalten, weiterhin die Interessen all jener zu vertreten, denen er sich verpflichtet fühlte - den durch die Austreibung entwurzelten Menschen.

Und die Freunde? Das waren die Mitglieder im ZvD, bei der Schlesischen Jugend in Sachsen (SJS) oder der Jungen Landsmannschaft Ostpreußen (JLO), das waren zahllose Ostdeutsche aus den Austreibungsgebieten, denen Herbert Jeschioro wieder eine Stimme gegeben hatte, als andere Vertriebenenorganisationen die Verfolgung der Interessen ihrer Mitglieder meinten, auf die Abhaltung von Folkloreveranstaltungen reduzieren zu müssen. Freunde waren auch zahlreiche Menschen der Erlebnisgeneration wie der Nachgeborenen, die sich genau wie Herbert Jeschioro der geschichtlichen Wahrheit und der Gerechtigkeit verpflichtet fühlten. Um ihn scharten sich Menschen, die sich nicht damit abfinden wollten, daß sich die Bundesregierungen ausnahmslos für die Einhaltung der Rechtsstaatsprinzipien, des Heimatrechts und für die Ächtung ethnischer Säuberungen überall auf der Welt stark machten und weiterhin machen, sich aber weigern, mit demselben Engagement die Interessen und Rechte ihrer nach 1945 ausgetriebenen Landsleute zu vertreten.

Mit Herbert Jeschioro erhielten die derart Behandelten eine Stimme gegen das anscheinend allgemein akzeptierte Unrecht, gegen das Vergessen und für die historische Wahrheit. Und so schrieb er unermüdlich an gegen das größte Austreibungsverbrechen der Menschheit, das er nicht zu Unrecht immer wieder als ein vom Rassismus verursachtes anprangerte. Er stemmte sich gegen das Verharmlosen oder gar Rechtfertigen der Zwangsentwurzelung von Millionen von Deutschen aus ihrer Heimat in Schlesien, Pommern, Ostpreußen, der Neumark Brandenburg, dem Sudetenland, aus dem Baltikum, Ungarn oder dem Balkan. Herbert Jeschioro war kein Revanchist. Er wollte nicht Rache, sondern Gerechtigkeit für alle von Austreibungsverbrechen in Europa betroffenen Menschen. „Am Anfang von Versöhnung muß das Ende der Lügen stehen.“ Unter diesem Motto sollte versucht werden, das unsägliche Unrecht wieder zu heilen, dem er sich mit Millionen anderer Deutscher ausgeliefert sah. Und so wollte er sich nicht damit abfinden, daß die 12 Millionen Deutschen aus den Ostgebieten den verlorenen 2. Weltkrieg mit dem Verlust ihrer angestammten Heimat zahlen sollten, während den übrigen Deutschen dieses Schicksal erspart geblieben war.

So gut wie ohne Unterstützung aus der Politik und den Vertriebenenorganisationen gründete er mit engagierten Mitstreitern im Februar 1995 – genau 50 Jahre nach Beginn jener Austreibungsverbrechen am Ende des 2. Weltkriegs – in Stuttgart den ZvD. In den vergangenen fast 20 Jahren schrieb er mehrere tausend Briefe, Eingaben, Petitionen und verfaßte zahlreiche Pressemitteilungen. Mit seiner Frau Regina Jeschioro reiste er unermüdlich durch die Republik, pflegte Kontakte zu Gleichgesinnten, zu befreundeten Organisationen und zahlreichen Persönlichkeiten in aller Welt. Auf Initiative des ZvD und Herbert Jeschioros entstand bei Zodel an der Neiße eine kleine Gedenkstätte, wo an die Austreibung der deutschen Bevölkerung aus den Gebieten östlich von Oder und Neiße erinnert wird.

Herbert Jeschioro hat immer Wert auf finanzielle Unabhängigkeit gelegt. Gelder aus öffentlichen Kassen lehnte er wegen der damit verbundenen möglichen politischen Abhängigkeiten ab. Jeder Pfennig bzw. Cent wurde zusammengehalten, um das nächste Ziel erreichen zu können, den schon im Jahr 2000 angekündigten Erwerb eines eigenen Hauses als unabhängige Gedenk- und Tagungsstätte insbesondere für die Jugend. Es war ihm noch vergönnt dieses Ziel erreicht zu sehen, als der ZvD zusammen mit der SJS in der Nähe von Görlitz in Niederschlesien ein gemeinsam geführtes Haus erwerben konnte. Selbstredend stand dieses Projekt von Anfang an auf solider finanzieller Grundlage und konnte vollständig aus Eigenmitteln realisiert werden. Und so hinterließ Herbert Jeschioro dem ZvD wohlgeordnete Finanzen. Auf dieser Grundlage bleibt der ZvD auch in Zukunft in der Lage, im Interesse seiner politischen Ziele die Arbeit im Sinne seines Gründervaters fortzuführen.

Am Sonntag, den 11. Mai 2014, einen Tag nach der diesjährigen Jahresversammlung des ZvD, erlitt Herbert Jeschioro in seiner Exilheimat in der Nähe des Bodensees einen Sekundentod. Die Welt verliert mit ihm einen der Wahrheit und Gerechtigkeit verpflichteten Menschen, die Stadt Breslau einen ihrer großen Söhne, alle Austreibungsopfer ihren womöglich größten Fürsprecher.

Die Sudetendeutsche Landsmannschaft in Österreich (SLÖ) spricht der Familie und dem Zentralrat der Vertriebenen sein tiefes Mitgefühl zum großen Verlust durch den Tod von Herbert Jeschioro aus. Gerhard Zeihsel, Budnesobmann

Lars Eiser –Zentralrat der vertriebenen Deutschen e.V.

E-Mail zentralratdervertriebenen@gmx.de

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