BRUNA – Gedenken an die Opfer des Todesmarsches am 31.Mai in Brünn

70 Jahre nach dem Brünner Todesmarsch mit 5200 Toten, bei dem die deutsche Bevölkerung aus Brünn Richtung Wien vertrieben wurde,  hat sich das gesellschaftliche Klima in Brünn gewandelt. Nachdem der Stadtrat eine Erklärung mit der Bitte um Vergebung verabschiedet hatte und  ein Rückmarsch als Wallfahrt der Versöhnung nach Brünn stattfand, folgte ein ganztägiges Gedenken der BRUNA – des Heimatverbandes der Brünner - am Jahrestag der Vertreibung  in Brünn – 31.5.2015.

Bei einer feierlichen Messe  zogen zu Beginn der Bischof sowie  Priester und Ordensleute feierlich in die bis auf den letzten Platz gefüllte  Basilika am Mendelplatz, Mariä Himmelfahrt, ein. Die Spitzen des katholischen Brünns  versammelten sich am Altar unterhalb  der Schwarzen Madonna, die aus einem wunderschön sanierten  Kirchenschiff auf die Gläubigen herunterblickte. Dabei strahlte der Innenraum eine Pracht aus, die durch die angestrahlten Bilder und Statuen weiter verstärkt wurde. Ein gregorianischer Männerchor  verlieh der Messe einen würdigen musikalischen Rahmen.

Zelebriert wurde eine lateinische Messe durch den Bischof von Brünn, Vojtĕch Cikrle.  Predigt, Lesung und Evangelium erfolgten in deutscher und tschechischer Sprache.  In seiner Predigt rief der Bischof zur Communio auf.  Alle Christen sollten zur Gemeinsamkeit finden, eine Gemeinschaft bilden. Nationalistischen Abgrenzungen erteilte er somit eine Absage.  Vielmehr gelte es Kraft aus dem Glauben zu schöpfen.

Das gemeinsame Vater Unser, das gegenseitige Händeschütteln beim Friedensgruß, die gemeinsame Kommunion führten die Gläubigen zusammen, verlieh ihnen ein Stück Gemeinschaft. Hier zeigte sich die völkerverbindende Gemeinsamkeit im Glauben.

Ergreifend waren die Texte der Fürbitten, die von einem Chormitglied vorgetragen wurden.  In deutscher Sprache wurde für die Brünner Deutschen gebetet, welche die Strapazen des Brünner Todesmarsches nicht überlebten, sondern in Massengräbern endeten. Gebetet wurde für die Mütter, die mitansehen mussten, wie ihre Kinder infolge Überanstrengung, an Hunger und Durst leidend, entkräftet und elend starben. Weiterhin schloss er die Kinder ein, die miterleben mussten, wie ihre Mütter, Großmütter, Tanten und Nachbarn an den Folgen des Todesmarsches körperlich und seelisch zerbrachen.

Immer wieder brauste die Orgel auf und füllte die mit Tschechen und Sudetendeutschen gefüllte Kirche  mit ihren wunderbaren Klängen.  Mit zugegen waren der Präsident der Bundesversammlung der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Reinfried Vogler,  der Bundesobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Österreich, Gerhard Zeihsel,  der Sprecher der Arbeitsgruppe Inneres der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag und Mitglied des CSU-Parteivorstandes, Stephan Mayer, der Leiter des Sudetendeutschen Büros in Prag, Peter Barton sowie der Bundesvorsitzende der BRUNA, Rudolf Landrock. Neben Mitgliedern des Deutschen Sprach- und Kulturvereins, Brünn, waren Mitglieder der BRUNA-Wien, der BRUNA-Deutschland, der Südmährer und Andere gekommen.  Teilnehmer des Todes-marsches waren ebenfalls zugegen.

Es hat sich bei dieser Messe gezeigt, dass die katholische Kirche Brünns mit ihrem Bischof an der Spitze, zu einem wichtigen Impulsgeber der Versöhnung geworden ist.  Man scheut sich nicht mehr, die Schützengräben des Kalten Krieges zu verlassen, auch auf die Gefahr hin, von den Kommunisten angeschossen zu werden.  Die von sehr vielen Tschechen besetzte Kirche hat  gezeigt, dass der Mut im tschechischen Volk zunimmt, sich von den alten Feindbildern zu lösen,  auf  die vertriebenen deutschen Mitbürger Brünns zuzugehen, deren Leid anzuerkennen und die Vertreibung als Unrecht zu brandmarken.  Der aufgeblasene Popanz der angeblichen deutschen faschistischen Gefahr wird mehr und mehr als Masche entlarvt,  die Tschechen unter die kommunistische und russische Knute zu  bringen. 

Die im Anschluss an die Messe erfolgte Anwesenheit zahlreicher tschechischer Mitbürger am BRUNA-Mahnmal im Klostergarten, das dortige Entzünden von Opferkerzen, der Handschlag zwischen Bischof und BRUNA-Bundesvorsitzendem, sind Symbole, sind Gesten des guten Willens.  Es ist ein hoffnungsvolles  Zeichen, dass der Weg zu einer Versöhnung auch von der tschechischen Seite nunmehr  beschritten worden ist.

Danach versammelten sich die Teilnehmer im Augustinersaal des Klosters,  wo prominente Gäste vom Bundesvorsitzenden begrüßt wurden. Im Anschluss sprach Stephan Mayer, der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag.  Er ging auf das große Leid der Brünner Deutschen ein, auf die Zeit ihrer Entrechtung und Vertreibung. Er verwies auf die Zerstörung der früher in Brünn und den Sudetenländern vorhandenen schöpferischen Symbiose zwischen Tschechen und Deutschen.  Besonders Bayern und Baden-Württemberg hätten von den vertriebenen Sudetendeutschen enorm profitiert,  deren Wissen, Tatkraft, Unternehmergeist und schöpferische Fähigkeiten hätten diese Bundesländer als auch Deutschland und Österreich vorangebracht und seien eine der Ursachen des heutigen Spitzenstandes.  Durch die Vertreibung mancher kluger Köpfe habe in Brünn, wie Mähren, Böhmen und Schlesien eine geistige Auszehrung stattgefunden, die zusammen mit dem Kommunismus zu Stillstand, Apathie, Innovationsarmut geführt habe. Ergebnis sei eine zunehmende  Rückständigkeit gewesen.  Verschleiß, Niedergang, Wettbewerbsunfähigkeit seien die Folgen gewesen. Nur wenn man diesen Prozess unterbreche,  man wieder zur Zusammenarbeit finde, lasse sich in Zukunft eine Gemeinsamkeit aufbauen, die Voraussetzung  für ein schöpferisches Wirken sei. Die Völker Europas hätten  bei einer zukünftigen Zusammenarbeit wesentlich mehr Chancen als bei dem früheren Gegeneinander. Dabei dürfe  die Vergangenheit nicht unter den Tisch gekehrt werden.  In diesem Zusammenhang sprach Mayer auch die Beneš-Dekrete an, die er scharf verurteilte.

Nach der Verleihung der silbernen BRUNA-Medaille sowie mährischen Spezialitäten  in der Altbrünner Brauerei fuhren heimatvertriebene als auch heimatverbliebene Brünner aus Deutschland, Österreich und Tschechien mit mehreren Bussen sowie PKW zum Mahnmal des Schwarzen Kreuzes nach Pohrlitz.  Dort liegen in einem Massengrab geschätzt 890 deutsche Opfer des Todesmarsches. Die dortige Rede hielt  der Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Bernd Posselt. Er  brandmarkte den Nationalismus des 19. und 20. Jahrhunderts als Hauptursachen der Vertreibung. Er erinnerte an den  Mährischen Ausgleich von 1905, der zeigte, dass man in Brünn nicht nur eigenständig dachte, sondern  dem Wahnsinn des Nationalismus  die Vernunft entgegensetzte.  Er gab der Hoffnung Ausdruck, dass nunmehr mit der Versöhnungserklärung des Brünner Stadtrates endlich ein wichtiger Schritt vorwärts getan wurde, um zu einem besseren Zusammenwirken von  Tschechen und Sudetendeutschen nicht nur in Brünn, sondern in Mitteleuropa zu kommen.  Dabei könne Brünn als geistiges Zentrum Mährens symbolische Zeichen setzen  und als Vorbild für andere Regionen Tschechiens dienen.

Nach  Kranzniederlegung sowie  Medaillenverleihung  fuhr die Bus- und PKW-Kolonne weiter nach Drasenhofen/Niederösterreich. Dort existiert auf dem dörflichen Friedhof ebenfalls ein Massengrab von vertriebenen Brünnern, die Anfang Juni 1945 zwar noch über die Grenze kamen,  dann aber an den Folgen des Todesmarsches starben. Im Gegensatz zu den anderen beiden Mahnmalen wird auf dem von Drasenhofen die Vertreibung auch als Vertreibung bezeichnet.  Weichgespülte Formulierungen, wie in Brünn „…die die Stadt verlassen mußten…“ finden sich hier nicht.  In einer sehr emotionalen Rede berichtete der Gedenkredner Gerhard Zeihsel, Bundesobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Österreich,  von seinen Verwandten, welche beim Todesmarsch dabei sein mussten.

Tief aufgewühlt, belastet mit vielen Erinnerungen, die angesichts der Veranstaltungen wieder lebendig wurden, fuhren die Teilnehmer anschließend  nach Brünn zurück.

 

Rudolf.Landrock@gmx.de                                                                           www.bruenn.org

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