Eine Prager Malerfamilie in Nürnberg              

Utl.: Vergessene sudetendeutsche Jubiläen

Auf zwei vergessene Jubiläen sudetendeutscher Künstler der Barockzeit hat Professor Rudolf Grulich in Nidda im Institut für Kirchengeschichte von Böhmen-Mähren-Schlesien aufmerksam gemacht.

Vor 35o Jahren starb 1665 in Nürnberg der Maler Johann Daniel Preissler aus Prag. Erst nach seinem Tode wurde sein Sohn geboren, der den Namen des Vaters erhielt. Der Todestag des Vaters sei vorüber, aber des Geburtstages des gleichnamigen Sohnes am 17. Januar 1666 werde das Institut im kommenden Jahr bei einem Tag der offenen Tür im Haus Königsstein in Nidda gedenken.

                          Herrenportrait von Johann Daniel Preissler

Wie bei vielen anderen berühmten Nürnbergern stammte auch die Familie Preissler aus Böhmen, wo Johann Daniel am 8. März 1627 in Prag geboren worden war und dort schon ein bekannter Maler war. Als 15-Jähriger war er in Dresden beim Oberhofmaler Christian Schiebling in die Lehre gegangen, wo damals gerade der Riesensaal im Dresdener Schloss ausgemalt wurde.

Nach der Lehre zog er als Wanderbursche durch Deutschland und Österreich. 1652 kam er nach Nürnberg, wo er als Probestück für die Aufnahme in die Malergenossenschaft ein lebensgroßes Bild vom Brudermord Kains an Abel einreichte. Dieses Bild ist heute im Germanischen Nationalmuseum zu sehen.

In verschiedenen Nürnberger Kirchen finden wir noch heute Preisslers Werke, so in der Sebalduskirche, wo er 1658 die beiden Flügel der Orgel bemalte und dabei die damals in Nürnberg lebenden Musiker, Lehrer und Geistliche darstellte. Für die Spitalkirche zum Hl. Geist malte er 1660 die Geistsendung am Pfingstfest, ein Jahr später in der St. Margarethenkirche die Himmelfahrt Christi.

der „Allgemeinen Deutschen Biographie“, die auch Preissler und seine Familie würdigt, lesen wir darüber, es seien „Bilder, welche in damaliger Zeit großes Aufsehen hervorriefen“, heute aber nicht mehr geachtet würden.

Sein Sohn Johann Daniel wurde am 17. Januar 1666 nach dem frühen Tod des Vaters geboren. Die Mutter heiratete wieder und der junge Johann Daniel ging zunächst bei seinem Stiefvater Heinrich Popp in die Lehre, später bei dem Maler und Radierer Johann Murrer. 1688 ging er für acht Jahre nach Italien, wo er sich bis 1696 reiche Erfahrung erwarb.

Nach der Rückkehr wurde er Direktor der Nürnberger Kunstakademie, die er zu einer weithin beachteten Institution ausbaute und an der er auch praktisch lehrte.

1716, also vor fast 300 Jahren, rief er für 70 Kinder eine Zeichenschule ins Leben, die er bewusst auch „für arme Kinder“ öffnete, und die so erfolgreich war, dass er dafür didaktisches Material ausarbeitete, darunter ein Lehrbuch „Die durch Theorie erfundene Practic oder Gründlich verfaßte Regeln deren man sich als einer Anleitung zur berühmter Künstlere Zeichen-Werken bestens bedienen kann.“ Preissler weist darauf hin, dass es sich dabei um Anfangsübungen handle, doch das Lehrbuch blieb an der Akademie durch Generationen hindurch im Gebrauch.

Er fertigte sehr viele Vorlagen für Kupferstiche an, vor allem Bilder bekannter Persönlichkeiten, die dann von Kupferstechern und Radierern umgesetzt wurden. Vor 275 Jahren starb er in Nürnberg, wo die vier Söhne Johann Justin, Georg Martin, Johann Martin und Valentin Daniel sein Werk weiterführten, ebenso seine Schwiegertochter Susanne Maria, die Frau von Johann Justin. In Nürnberg gibt es heute eine Preissler-Straße und eine Johann-Daniel-Preissler-Schule.

Auch Johann Justin Preissler (1698 bis 1771) arbeitete lange in Italien, und zwar in Rom und Florenz. In Nürnberg war er 1742 wie sein Vater Direktor der Malerakademie und führte auch die Arbeit am Zeichenbuch fort. Im Hl.-Geist-Spital in Nürnberg schuf er das Bild von Christi Himmelfahrt.

Seine Frau Susanna Maria (1701-1765) war die Tochter des Wappen- und Steinschneiders Christoph Dorsch, von dem sie das Handwerk lernte, aber den Vater an Geschick weit übertraf. In erster Ehe war sie mit dem Maler Salomon Graf verheiratet, nach dessen Tode mit Johann Justin Preissler. Ihre geschnittenen Gemmen waren weit berühmt und „schon zu ihren Lebzeiten wurden Medaillen zu ihrem Andenken geprägt, Epigramme und Lobgedichte zu ihrem Ruhme verbreitet“.

Georg Martin Preissler (1700-1754) leitete die Zeichenschule des Vaters weiter und war als Kupferstecher angesehen. Sein Bruder Johann Martin (1715-1794) arbeitete in Paris und seit 1744 als Hofkupferstecher in Kopenhagen, wo auch sein Bruder Valentin Daniel tätig war. Der in Kopenhagen 1757 geborene Johann Martin erwarb Preise und Medaillen der Kopenhagener Akademie und war später Mitglied der Pariser Akademie. Als Nachfolger seines Vaters starb er als königlicher Hofkupferstecher und Professor der Kopenhagener Kunstakademie 1831.

Rudolf Grulich

 

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