Keine US-Vergangenheitsbewältigung bei Deutschen

Utl.: Deutsche Weltallianz erinnert an Enemy-Unrechtsakt

Die Tatsache, daß Deutsche nicht kollektiv ein Volk von Tätern sondern auch Opfer während und am Ende des Zweiten Weltkriegs waren, steht heute wohl außer Zweifel. Diejenigen, die noch an der alten kollektiven Schuldthese festhalten, mögen beharrlich historische Wahrheiten ignorieren, allein ändern können sie daran nichts.

Das grausame Schicksal der deutschen Bombenopfer, die Tragödie der Gustloff oder die millionenfache Vertreibung von Deutschen sind Fakten, an denen es trotz des Meinungsterrors seitens etablierter Medien nichts zu rütteln gibt. Ein Unrecht wird noch lange nicht nur deshalb zum Recht, weil ihm ein anderes Unrecht vorausgegangen ist. Dieser allgemein gültige Rechtsgrundsatz hat universellen Charakter, was bedeutet, daß man keineswegs eine ganze Nation davon ausschließen kann, ohne unglaubwürdig zu werden. Das Völkerrecht gilt für alle, ausnahmslos und ohne Abweichungen. Die Deutsche Weltallianz (DWA) weist seit Jahren auf ein in Europa zumeist unbekanntes Unrecht hin, das im Zweiten Weltkrieg Deutsche in den USA auf Grundlage des „Enemy Aliens Act“ betroffen hat. Hunderttausende von deutschstämmigen US-amerikanischen Staatsbürgern wurden wie Staatsfeinde behandelt, als solche diskriminiert, verfolgt, bespitzelt und ohne rechtliche Grundlage inhaftiert.

Erst kürzlich veröffentlichte ein Betroffener ein schriftliches Manifest, das auf dieses Unrecht aufmerksam machen soll. Arthur D. Jacobs, damals erst zwölf Jahre alt, möchte mit seinen insgesamt zwölf Fragen diese verdrängte Thematik für die amerikanische Geschichtsschreibung wiederbeleben.

1. Weiß man, daß 300.000 ständig in den USA registrierte Deutsch-Amerikaner während des Zweiten Weltkriegs mit einem Federstrich zu „Feindlichen Fremden“ erklärt wurden?

2. Weiß man, daß man von diesen „Feindlichen Fremden“ – ähnlich wie bei Verbrechern – Fingerabdrücke nahm und Polizeifotos anfertigte? Es wurde ihnen verboten zu fliegen, ihren Wohnort zu verlassen, zudem durften sie keine Waffen (Pistolen, Gewehre) tragen und keine Kameras besitzen.

3. Weiß man, daß bei vorsichtiger Schätzung rund 30.000 Deutsch-Amerikaner eingesperrt waren und vom FBI und dem US-Justizministerium inhaftiert wurden?

4. Weiß man, daß diesen Inhaftierten jede anwaltliche Verteidigung verweigert wurde und ihre Verfassungsrechte verletzt wurden?

5. Weiß man, daß während der amerikanischen Besatzungszeit Tausende von Deutsch-Amerikanern von den Alliierten ins damals feindliche Deutschland überstellt oder ins besiegte Deutschland repatriiert wurden?

6. Weiß man, daß Hunderte – wahrscheinlich sogar mehr als eintausend – von deutsch-amerikanischen Staatsbürgern von US-Gerichten ausgebürgert wurden?

7. Weiß man, daß die in den USA geborenen Kinder und Säuglinge durch die Repatriierung und Ausweisung ins feindliche Deutschland in eine ungewisse Zukunft geschickt und gegen Kriegsgefangene, Diplomaten und Personen, die hinter den feindlichen Linien gefangen genommen worden waren, ausgetauscht wurden?

8. Weiß man, daß durch solche Aktionen deutsch-amerikanische Familien zerstört wurden?

9. Weiß man, daß viele nach dem Ende des Krieges mehr als drei Jahre lang in Haft geblieben sind?

10. Weiß man, daß die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika bislang kein einziges Gesetz zugunsten der deutschamerikanischen Internierungsopfer erlassen hat?

11. Weiß man, daß deutschamerikanische und japanisch-amerikanische Opfer in denselben Internierungslagern eingesperrt waren?

12. Weiß man, daß die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika bislang elf Gesetze zugunsten der japanisch-amerikanischen Internierungsopfer erlassen hat? Das wurde möglich, weil sie von zivilen japanisch-amerikanischen Organisationen wie dem japanisch-amerikanischen Bürgerrechtsverein oder dem japanischen Kulturzentrum, das landesweit und auf Hawaii tätig ist, unterstützt wurden.

Abschließend richtet Arthur D. Jacobs nochmals einen dringlichen Appell an die Öffentlichkeit, damit von verantwortlichen US-Stellen endlich Schritte zur Bereinigung dieses Unrechts unternommen würden: „Trotz der Tatsache, daß die Deutsch-Amerikaner beim Aufbau der US-amerikanischen Nation mitgeholfen und für dieses großartige Land in Kriegen ihr Leben geopfert haben, litten sie an der antideutschen diskriminierenden Stimmung während des Zweiten Weltkriegs und leiden darunter bis heute.“

Dr. Peter Wassertheurer


Vor 70 Jahren: Enteignung, Entrechtung und Vertreibung

Vortrag mit Niklas Perzi

Die WALDVIERTEL AKADEMIE lädt in Kooperation mit dem Ersten österreichischen Museum für Alltagsgeschichte in Neupölla am Freitag, 29.5.2015, 19.30 Uhr zu einem Vortrag mit dem Historiker Mag. Niklas Perzi unter dem Titel „Vor 70 Jahren: Enteignung, Entrechtung und Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei“. Dieser Abend findet im Rahmen der Ausstellung „Langsam ist es besser geworden. Vertrieben erzählen vom Wegmüssen, Ankommen und Dableiben“ statt, die noch bis 16. August zu besichtigen ist.

http://www.waldviertelakademie.at

Christoph Mayer, MAS, Geschäftsführung WALDVIERTEL AKADEMIE

Bahnhofstraße 12, 3830 Waidhofen/Thaya mail: mayer.wavak@wvnet.at , Tel. 02842/537 37


Süddeutsche Zeitung – Die letzten Verbliebenen

http://gfx.sueddeutsche.de/politik/sudetendeutsche/sudetendeutsche-2.html

 

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