15. VLÖ-Volksgruppensymposium in Pilsen, der europäischen Kulturhauptstadt 2015  (Teil 1)

VLÖ verabschiedet „Pilsener Resolution – Versöhnung braucht Wahrheit“ – folgt in Teil 2

Der Verband der deutschen altösterreichischen Landsmannschaften in Österreich (VLÖ) veranstaltete wiederum sein bereits traditionelles „Volksgruppensymposium“, diesmal vom 1. bis 4. Oktober 2015 in der diesjährigen europäischen Kulturhauptstadt Pilsen (Tschechien).

Bereits in den vergangenen Jahren hat der VLÖ seine Symposien in verschiedenen Nachfolgestaaten der Donaumonarchie abgehalten, um einerseits die Lebensumstände der dortig heimatverbliebenen deutschen altösterreichischen Volksgruppen zu betrachten, aber auch zu aktuellen – politischen – Themen, die Heimatvertriebenen und Heimatverbliebenen betreffend, offiziell Stellung zu beziehen.

So erwartete die Tagungsteilnehmer, die aus verschiedenen europäischen Ländern nach Pilsen gekommen waren, unter dem Veranstaltungsmotto „70 Jahre danach – Zeit für die Wahrheit und für die Versöhnung“ auch heuer wieder ein umfangreiches Tagungsprogramm, für das VLÖ-Generalsekretär Ing. Norbert Kapeller verantwortlich zeichnete.

Vor dem eigentlichen Tagungsbeginn in Pilsen waren jedoch bereits drei andere Programmpunkte eingeplant: Auf ihrer Fahrtroute durch Südmähren war es den VLÖ-Vertretern ein wichtiges und emotionales Anliegen, der Opfer des „Brünner Todesmarsches“ vom Mai/Juni 1945 zu gedenken und an der Gedenkstätte Pohrlitz einen Kranz niederzulegen.

 

Ein besonderer Höhepunkt erwartete die Tagungsteilnehmer kurze Zeit später, als der österreichische Botschafter in Tschechien, Dr. Ferdinand Trauttmansdorff, im Beisein von Karl Fürst zu Schwarzenberg und der ehemaligen tschechischen Justizministerin Helena Válková, zu einem Empfang in der Österreichischen Residenz in Prag lud.

   

Westlich von Prag, in der Gedenkstätte Lidice, legten die Tagungsteilnehmer beim dortigen Kinderdenkmal später einen weiteren Kranz nieder und gedachten der unzähligen Opfer des 1942 zerstörten mittelböhmischen Dorfes, das als Teil der nationalsozialistischen Racheaktionen nach dem Attentat auf den damaligen Reichsprotektor von Böhmen und Mähren, Reinhard Heydrich, in Brand gesteckt, gesprengt und später komplett eingeebnet wurde. (Verweis auf die Webseite der Gedenkstätte Lidice, mit einem Beitrag über den Besuch, in tschechischer Sprache, Anm.)

     

Nach dem Eintreffen im Pilsener Tagungshotel wurde das 15. VLÖ-Volksgruppensymposium offiziell von Generalsekretär Ing. Norbert Kapeller eröffnet. Nach den einleitenden Worten des VLÖ-Präsidenten Dipl.-Ing. Rudolf Reimann wurden die Tagungsteilnehmer von der Ehrenobfrau der Organisation der Deutschen in Westböhmen und Pilsen, Gertrud Trepková, ebenfalls herzlich begrüßt.

 

Der 1. VLÖ-Vizepräsident und Bundesobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Österreich (SLÖ), Gerhard Zeihsel, eröffnete am Folgetag das Programm und unterstrich dabei in seinen einleitenden Worten die Wichtigkeit der Unterstützung der deutschen Volksgruppe in Tschechien.

Besonders freute es die VLÖ-Verantwortlichen, dass Botschafter Dr. Ferdinand Trauttmansdorff - der ja die Tagungsteilnehmer bereits am Vortag in der Österreichischen Residenz in Prag begrüßt hatte - sich die Zeit nahm, ebenfalls am Symposium in Pilsen teilzunehmen und unter dem Titel „Das Beziehungsgeflecht Österreich und Tschechien“ zu referieren.

„Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass wir als Verband das Entgegenkommen und die Unterstützung seitens des österreichischen Außenministeriums sehr zu schätzen wissen und sowohl die Teilnahme von Botschafter Trauttmansdorff als auch von Gesandten Georg Woutsas eine große Ehre für uns bedeutet“, unterstrichen Reimann und Kapeller.

Zusätzliche Einblicke den Status Quo und die Lebensumstände die deutsche Volksgruppe in Tschechien betreffend, erhielten die Tagungsteilnehmer durch drei weitere Gastredner:

So sprachen Peter Barton vom Sudetendeutschen Büro in Prag, Irena Novak (Vorsitzende des Kulturverbandes der Bürger deutscher Nationalität in der Tschechischen Republik) und weiters Martin Dzingel (Präsident der deutschen Landesversammlung in Böhmen, Mähren und Schlesien), der über die „Praxis des tschechischen Minderheitenrechtes“ referierte.

Im Rahmen der Vorbereitung des Symposiums hatte VLÖ-Generalsekretär Ing. Norbert Kapeller mit der Unterstützung der Österreichischen Botschaft in Prag ebenfalls Kontakt mit dem Österreichischen Gymnasium in Prag aufgenommen. Seiner Einladung folgend, nahmen unter der Begleitung von Prof. Jan Pils mehrere Schüler der Abschlussklasse ebenfalls am Symposium teil und diskutierten mit den Tagungsteilnehmern.

Der Besuch der weltbekannten, im Jahre 1842 gegründeten, Brauerei „Pilsner Urquell“ stellte einen weiteren Fixpunkt im Programmablauf des Symposiums dar und hinterließ im Zuge der Führung durch die Produktionsanlagen einen bleibenden Eindruck bei den Tagungsgästen.

Das Symposium fand am Folgetag mit einem Referat von Dr. Andreas Wiedemann, dem Pressereferenten der Österreichischen Botschaft in Prag, unter dem Titel „Kommt mit uns das Grenzland aufbauen“ seine Fortsetzung. Wiedemann sprach im Zusammenhang mit seiner veröffentlichten Dissertation über das Thema der Wiederbesiedlung der nach der Vertreibung entvölkerten sudetendeutschen Gebiete.

Im wahrsten Sinne des Wortes „neue Wege“ beschreiten der Wiener Robert Zahrl und der gebürtige Prager Tomas Fenix, die sich im südmährischen Grusbach (Hrušovany nad Jevišovkou) als Biobauern betätigen und in einem sehr lebendigen Vortrag über ihr Schaffen berichteten.

Sehr eloquent sprach Dieter Kutschera, ein heimatvertriebener Sudetendeutscher aus Warnsdorf in Nordböhmen, über seine Erinnerungen und Erfahrungen im Zusammenhang mit der Enteignung seines Elternhauses im Zuge der Vertreibungs-wirren. Jahrzehnte später kaufte Kutschera dann eine Haushälfte unter Verwendung eines Entschädigungsbetrages aus dem "Österr.-Tschech. Vermögensvertrag von 1972" seitens der Tschechischen Republik zurück.

Gertrud Trepková, Ehrenobfrau der Organisation der Deutschen in Westböhmen und Pilsen, gab später im Zuge ihres Referats einen interessanten Einblick auf geschichtliche und geografische Details der westböhmischen Großstadt Pilsen und sprach über ihre jahrzehntelange Arbeit im Zuge ihrer Vereinstätigkeit.

Dr. Hans Dama berichtete kurz darauf über einige interessante Details mit Blick auf die organisatorischen Vorbereitungen und Planungen für das 16. VLÖ-Volksgruppensymposium, das im Herbst 2016 im rumänischen Temeswar (Banater Heide) stattfinden wird.

Im Gedenken an die zahlreichen sudetendeutschen Opfer im Pilsener „Bory-Gefängnis“ legten die Tagungsteilnehmer am Pilsener Zentralfriedhof abschließend einen Kranz beim dortigen Denkmal nieder.

Link Österr. Botschaft in Prag: http://www.bmeia.gv.at/botschaft/prag.html

Pressedienst des Verbandes der deutschen altösterreichischen Landsmannschaften in Österreich (VLÖ)
PA2015-20; 04.10.2015

Rückfragehinweis: Ing. Norbert KAPELLER, Generalsekretär E:  norbert.kapeller@vloe.at          W: www.vloe.at

 

 

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